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Lärmschutz: So wird Rostock leiser

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Rostock wird leiser. Jedenfalls da, wo Lärm krank machen kann. Nach jahrelangen und Untersuchungen und Planungen legt das städtische Umweltamt jetzt mit der dritten Stufe des Lärmaktionsplans einen konkreten Katalog von Maßnahmen für Straße und Schiene vor. Damit sollen die Vorgaben der Europäischen Union erfüllt werden.

Allein um den Straßenlärm zu reduzieren muss Rostock mittel- und langfristig rund 29 Millionen Euro investieren.
Geschwindigkeitsreduzierungen und Lärmschutzwände würden zunächst als „Prüfaufträge und Machbarkeitsstudien“ behandelt, erläutert Rieke Müncheberg aus dem städtischen Umweltamt.

Foto: Ove Arscholl

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Wie viele Rostocker leiden überhaupt unter Lärm? Das Ergebnis der Untersuchung: Von Krach im gesundheitsgefährdenden Bereich sind rund 2800 Einwohner durch den Straßenverkehr, etwa 1250 Einwohnende durch Schienenverkehr auf den Gleisen der Deutschen Bahn und rund 690 Einwohnende durch Straßenbahnen betroffen.

Durch Industrie- und Hafenanlagen wurden „keine Betroffenheiten oberhalb der Schwellenwerte zur Gesundheitsgefahr“ ermittelt, heißt es im Bericht. Das mag mancher anders sehen, aber die Stadt beruft sich auf gesetzliche Vorgaben und Grenzwerte.

Foto: Ove Arscholl

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Wissenschaftlich unbestritten ist, dass Lärm krank machen kann. Laut Bundesumweltministerium können bereits geringe Lärmpegel ab 25 Dezibel zu Konzentrations- oder Schlafstörungen führen. Studien legen dem Umweltministerium zufolge nahe, dass  Dauerbelastungen von mehr als 65 Dezibel ein erhöhtes Gesundheitsrisiko mit sich führen.

Langfristig können auch hoher Blutdruck und Herzinfarkt die Folge sein. Nächtlicher Lärm belastet dabei offenbar besonders, denn die Ohren reagieren im Schlaf deutlich sensibler auf Lärm. Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge ist jeder fünfte Europäer nachts regelmäßig einem Geräuschpegel ausgesetzt, der erhebliche gesundheitliche Auswirkungen haben könnte.

Foto: dpa

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Für 39 von 45 Lärmbrennpunkte im Straßenverkehr beschreibt die Stadt Maßnahmen die zu 100 beziehungsweise 90 Prozent wirken. „Fahrbahnbeläge werden regelmäßig hinsichtlich ihrer Lärmminderungswirkung untersucht, die Erfahrungen und Ergebnisse fließen in die Straßenplanung ein“, erläutert Rieke Müncheberg. Vor allem Tempo 30 und Fahrbahnsanierungen sowie die Gestaltung von Straßenräumen, damit Grün Geräusche schluckt, sind die Mittel der Wahl.

Schwerpunkte liegen im Hansaviertel und der Steintor-Vorstadt. Teure Vorhaben sind Blücher- und Herweghstraße sowie Satower Straße und Petridamm, die jeweils von Grund auf erneuert werden müssen. An der Hamburger und der Lübecker Straße könnte es auch Lärmschutzwände geben.

Foto Ove Arscholl

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Zum Schienenverkehr liegen noch keine Kostenüberlegungen der Stadt vor. Die Lärmschwerpunkt liegen entlang der Gleise zwischen Hauptbahnhof und Bramow sowie in Warnemünde.

Die Bahn plant langfristig Fahrzeuge leiser zu machen. An wenigen Streckenabschnitten, sieht die DB Neubaumaßnahmen und oder wesentliche Änderungen vor. Mit Schallschutzwänden wäre es laut Stadt prinzipiell möglich, für den Krach für die meisten Betroffenen zu reduzieren. Sie werden zwischen Holbeinplatz, Parkstraße und Goethestraße an vielen Stellen als städtebaulich problematisch bezeichnet. Oft seien dafür auch private Flächen nötig.

Die Vorschläge für die zwölf Lärmbrennpunkte seien mit der Bahn abgestimmt. Für die Umsetzung von Lärmschutzwänden wäre  eine enge Kooperation erforderlich. Pilotprojekte werden noch 2018 geprüft. „Die Bahn strebt außerdem eine engere Verzahnung mit ihrem freiwilligen Lärmsanierungsprogramm an“, teilt Rieke Müncheberg mit.

Foto: Ove Arscholl

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Bei der Straßenbahn wurden in den vergangenen Jahren viele bauliche Maßnahmen von der RSAG durchgeführt, die zu einer Verbesserung führten. Zudem hat sich der Anteil der leiseren Niederflurfahrzeuge in den letzten Jahren weiter deutlich erhöht.

An der Wismarschen Straße gebe es wie an der Doberaner Straße jedoch das Problem der Doppelbelastung mit dem Autolärm. Aktuelle Maßnahmen sind dort nicht geplant,

Foto: Thomas Ulrich

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Ziel der Lärmaktionsplanung ist nicht nur die Reduzierung der Lärmbelastung, sondern auch der Schutz von ruhigen Gebieten. Diese sind vor einer Zunahme des Lärms zu schützen.

Mit dem Lärmaktionsplan wird die Gebietskulisse für ruhige Gebiete für die Hanse- und Universitätsstadt Rostock entwickelt. Diese beinhaltet die Landschaftsräume Diedrichshagen und Rostocker Heide sowie 20 Stadtoasen wie den Botanischen Garten oder den Iga-Park. Die ruhigen Gebiete erstrecken sich über eine Gesamtfläche von 6130 Heltar, etwa drei Prozent städtischen Fläche.

Foto: Ove Arscholl

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Gemäß EU liegen Bereiche mit gesundheitsgefährdenden Lärmbelastungen oberhalb von 65 dB (A) am Tag und 55 dB(A) in der Nacht. Laut wird es für Menschen ab etwa 80 Dezibel. Auch Wissenschaftler bezeichnen Geräusche ab dieser Schwelle als „Lärm“. Ab etwa 95 dB ist er oft unerträglich – jetzt kann Krach weh tun. Bei etwa 120 Dezibel liegt die Schmerzgrenze. Ab 150 Dezibel kann das Gehör unwiderruflich Schaden nehmen.

So laut ist (in Dezibel):
Atmen, raschelndes Blatt, Schneefall (10)
ruhiges Zimmer, Ticken einer Armbanduhr, leichter Wind (30)
Flüstern, leise Musik, ruhige Wohnstraße nachts (40)
Regen, leises Gespräch, Geräusche in der Wohnung (55)
normales Gespräch, Nähmaschine, Fernseher Zimmerlautstärke (65)
Staubsauger, Wasserkocher, Wasserhahn (70)
Kantinenlärm, Waschmaschine beim Schleudern, Großraumbüro (75)
laute Sprache, Streitgespräch, Klavier (80)
Hauptverkehrsstraße (85)
Kammerkonzert, Türknallen (90)
Musik Kopfhörer, Holzfräsmaschine (95)
U-Bahn (100)
Schlagzeug, Motorsäge, Diskomusik, Rock- und Popkonzerte, Motorsäge (110)
Kettensäge, Pressluft- hammer, Gewitterdonner, China-Böller, lautes klassisches Konzert, Vuvuzela (120)
Autorennen, Kampfflugzeug, Gewehrschuss (140)
Schmiedehammer, Geschützknall (150)

Quelle: Hörex AG

Foto: dpa

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