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Vom Stuckateur bis Sofamacher: Diese Berufe sind rar geworden

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Handwerk hat goldenen Boden, sagt man. Es gibt aber auch Berufe, die rar geworden sind. Die OSTSEE-ZEITUNG stellt sechs Berufe aus dem Handwerk und die Menschen dahinter vor.

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Das Foto zeigt ein Gemälde von Elisabeth Büchsel von Firmengründer Karl-Heinz Schröder.
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Stralsund. Dirk Schröder lehnt sich entspannt auf dem samtroten Biedermeier-Sofa zurück. Um ihn herum lagern Stoffballen und Muster, es gibt Gardinen und Teppiche. „Ich schaue positiv in die Zukunft“, sagt der 47-jährige Stralsunder. Und wenn er einen Blick zurück wirft, sieht er dort ein mittlerweile 72-jähriges Familienunternehmen. Sein Opa hat im Juni 1946 die Firma gegründet. Und so kann mit dem Namen „Polsterei Schröder“ in Stralsund wohl fast jede Familie etwas anfangen.

Vom Tapeziermeister zum Raumausstatter

In dritter Generation führt Dirk Schröder den Familienbetrieb, hat auch seine Ausbildung zum Polsterer dort absolviert. „Eigentlich war von Anfang an klar, dass ich das Geschäft des Vaters mal übernehmen werde. Und ich wollte auch nichts anderes machen“, sagt er. „Es macht mir Spaß, auch wenn sich das Betätigungsfeld immer wieder ändert.“ So war sein Vater Klausdieter Schröder der letzte Tapeziermeister, dann nannte sich das Ganze Polsterei, und heute geht der Kunde zu einem Raumausstatter.

Ob Bodenbelege, Gardinen, Möbelstoffe, Bootspolster oder Schaumstoffe – die Polsterei Schröder bedient viele Felder. Dabei klopfen vom Einzelkunden, der einen Stuhl neu bezogen haben möchte, bis zum Hotel ganz unterschiedliche Kunden aus der ganzen Region im Stralsunder Familienbetrieb an.

Foto und Bild: Miriam Weber/iso



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Das Foto zeigt ein Gemälde von Elisabeth Büchsel von Firmengründer Karl-Heinz Schröder.
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Koserow. „Kachelöfen sind modern und total angesagt“, sagt Heiko Ott. Der Ofenbaumeister aus Koserow auf der Insel Usedom hat volle Auftragsbücher, die Nachfrage ist riesig. „Bis Ende Oktober bin ich ausgebucht“, berichtet der 48-Jährige. Gerade arbeitet er auf einer Baustelle am Ortsausgang von Wolgast. Auch dort wünscht der Kunde einen Kachelofen.

Moderne Kachelöfen mit Sitzflächen sind beliebt

„Nachhaltige Energie- und Wärmegewinnung liegen im Trend“, ergänzt Ott. Ein Kachelofen wiegt um die eine bis 1,5 Tonnen, weil alle Teile aus Guss und damit unkaputtbar sind. Geheizt wird mit zehn Kilo abgelagertem Holz – nicht mehr mit Kohlen. Das gibt für 12 bis 14 Stunden Wärme. „Heutige Kachelöfen sehen mit ihren größeren und edlen Kacheln sehr schick aus, der Ofen hat wie ein Kamin eine Sichtglasscheibe. Eine Sitzfläche rundherum gehört auch oft dazu“, schildert Heiko Ott.

1986 begann er eine Lehre zum Ofensetzer bei der Wolgaster Wohnungswirtschaft. Nach der Wende ging er nach Dortmund, 1991 kehrte der gebürtige Zempiner zurück. 1994 folgte sein Meisterabschluss und 1999 das eigene Unternehmen.

Trotz Digitalisierung bleibt es ein Handwerk

Heiko Ott würde sich über mehr Berufsnachwuchs freuen, „aber jungen Leuten heute ist schwere Arbeit oft nichts. Ich plane zwar alle Bauvorhaben mit 3D-Visualisierung am Computer, aber Ofenbau ist Handwerk. Da wird richtig zugepackt.“

Text und Bild: Cornelia Meerkatz




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Pelze von der BRD in die DDR geschickt

Bergen. Einen Entwurf erstellen, Sortieren, Schneiden, Nähen, Füttern: Diese und weitere Schritte in der Pelzherstellung gehören zum Arbeitsalltag für Uwe Hinz. Der 69-Jährige gehört in MV zu den wenigen Menschen, die das Kürschnerhandwerk beherrschen. Uwe Hinz erinnert sich, als er als Schüler bei seinem Vater die ersten Schritte in diesem Handwerk lernte. Nach der Schulzeit 1965 absolvierte er diesen Handwerksberuf im Leipziger Pelz-Zentrum, machte seinen Meister 1971 und arbeitet seitdem in Bergen.

„Ich weiß noch, wie wir die Schaufenster mit den neuesten Stoffen und Arbeiten dekoriert haben. Damals haben die Leute noch einen richtigen Schaufensterbummel gemacht und sich die neuesten Waren angesehen. Das Kürschnergeschäft lief zu dieser Zeit sehr gut“, sagt er. Auch, weil Pelze in der BRD zur Massenware gehörten. „Viele ausgediente Pelze wurden in die DDR geschickt. Zum Aufbereiten und Umarbeiten haben wir sie dann bekommen.

Ausrangierte Pelze werden zu Kissenbezügen

“Mit der Wende habe sich das Handwerk gewandelt, Pelze waren nicht mehr gefragt. Zusammen mit seiner Frau Beate – sie ist Handweberin und Stickerin – hat er das Angebot etwa im Bereich der Lebensart erweitert. Aufträge als Kürschner bekommt er trotzdem noch. „Oft aber im Bereich des Wohnambientes. Ich arbeite Pelzmäntel unter anderem in Westen oder Kissenbezüge um“, sagt er.

Foto und Bild: Mathias Otto
 



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Grimmen. Stuck ist für Wände, wie Schminke für Frauen“, sagt Jens Hartwig (45). Er ist einer der wenigen Stuckateure im Landkreis. Vor elf Jahren eröffnete er seine Stuckmanufaktur.„Angefangen habe ich allein. Mittlerweile habe ich drei Angestellte“, erzählt Hartwig. Vor rund einem Jahr mietete sich der Mann aus der Gemeinde Süderholz eine Werkstatt in Grimmen. „Zuvor habe ich zu Hause auf 50 Quadratmetern gearbeitet, hier habe ich 300“, sagt er. Und den Platz braucht er, denn die Auftragsbücher sind voll. Was Hartwig herstellt, ist reine Handarbeit. Kreativität gehört dazu, auch Geschick und Geduld.

„Jedes Objekt ist anders und spannend“, das macht meinen Beruf aus.“

Derzeit liegen in seiner Werkstatt vier Sockel für einen Pavillon. Die Schäfte und auch die Kapitelle, die oberen Abschlusselemente, sind bereits fertig aus Weißzement gegossen. Gerade nimmt Hartwig den fünften Sockel aus der Silikonform. Besonders spannend finde er aber, wenn er bei der Restaurierung alter Gebäude beteiligt ist. Sein Lieblingsprojekt war ein Schlosszaun. „Auf dem Schlossgelände hat der Besitzer einzelne Fragmente gefunden. Wir haben den Zaun neu angefertigt. Sieben Monate hat es gedauert“, erzählt er. Aber auch an der Beseitigung der Tornadoschäden am Rathaus in Bützow war er beteiligt. „Jedes Objekt ist anders und spannend“, das macht meinen Beruf aus“, sagt er.

Text und Bild: Anja Krüger


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Sattlermeister Manfred Hacker sitzt an der Nähmaschine in seiner Werstatt. Foto: Petra Hase
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Gützkow. Heute ein Sonnensegel, morgen eine Bootsplane, dann mal ein Cabrioverdeck und nicht zu vergessen – das Pferdegeschirr: Das Handwerk von Manfred Hacker aus Gützkow im Landkreis Vorpommern-Greifswald ist wohl so abwechslungsreich wie kein zweites. „Die Vielseitigkeit macht den Beruf aus“, sagt der Sattlermeister. Und zwar mehr denn je. Zwar habe das kleine Familienunternehmen, das Vater Fritz 1982 gründete, auch schon zu DDR-Zeiten Bootsplanen gefertigt und Sitze vom Trabi neu bezogen. Doch erst nach der Wende habe er die Produktpalette um viele andere Angebote erweitert. „Früher saßen hier sechs Leute und haben Geschirre genäht“, blickt der 54-Jährige zurück.

Anfertigen nach Maß, dass können nur wenige Internetanbieter

Pferdezubehör zähle zwar immer noch zu seinem Repertoire. Doch das Anpassen, Weiten und Polstern eines Sattels etwa sei vornehmlich Winterarbeit. Den Alltag des vierköpfigen Unternehmens bestimmen ganz verschiedene Kundenaufträge. „Und jeder muss individuell wie ein Meisterstück abgearbeitet werden“, betont Hacker. Das Anfertigen nach Maß – da könne keine Internetkonkurrenz mithalten. „Mit unseren alten Techniken wollen wir Tradition wahren und Zukunft gestalten“, sagt der Chef, für den neben einigen Maschinen Nadel und Faden, Schere und Messer noch immer zu den wichtigsten Utensilien bei der Arbeit gehören.

Text und Bild: Petra Hase


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Sattlermeister Manfred Hacker sitzt an der Nähmaschine in seiner Werstatt. Foto: Petra Hase
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Ribnitz-Damgarten. Henning Schröder ist fasziniert vom Bernstein. „Seine unterschiedlichen Farben und Formen machen ihn zu etwas ganz Besonderem“, sagt er. Deutschlandweit ist er der einzige Bernsteindrechslermeister, der diese Arbeit noch aktiv ausübt. Seine Prüfung hatte er 2004 vor der zuständigen Handwerkskammer in Frankfurt am Main abgelegt. Dort konnte er mit einem Globus überzeugen. Gefertigt aus gelblich-mattem und knochenfarbenem Bernstein. Insgesamt 120 Arbeitsstunden hatte er Zeit für die Anfertigung seines Meisterstücks. „Am Ende blieb sogar noch ein Tag Luft“, kann er sich noch heute gut erinnern.

„Von diesem großen Schatz an Wissen, Erfahrungen und Fertigkeiten kann ich bis heute profitieren.“

Ausgebildet wurde der heute 36-Jährige von dem 2016 verstorbenen Bernsteindrechslermeister Werner Lux. Wie kaum ein anderer kannte der Ribnitzer den Bernstein. Kein Wunder, denn seine Ausbildung erhielt er in den Jahren von 1937 bis 1940 an der berühmten Staatlichen Bernsteinmanufaktur in seiner Heimatstadt Königsberg. „Von diesem großen Schatz an Wissen, Erfahrungen und Fertigkeiten kann ich bis heute profitieren“, so Henning Schröder. Mehr als zehn Jahre lang fertigte Schröder Bernstein-Schmuck und restaurierte auch Kunstwerke aus Bernstein. Seitdem er die Verwaltungsleitung des Bernsteinmuseums übernommen hat, kommt er allerdings nur noch selten in die Werkstatt.

Text: Edwin Sternkiker
Bild: Frank Hormann




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