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Sea Eye - Pull-Effekt

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Die Arbeit der Helfer im Mittelmeer ist nicht unumstritten. Kritiker werfen den NGOs vor: Sie seien ein Grund dafür, dass Menschen den Weg über das Mittelmeer überhaupt antreten. Andere behaupten, sie würden sogar mit Schleppern zusammenarbeiten.

Für die privaten Organisationen ist aber klar: Sind sie nicht da, ertrinken noch mehr Menschen im Mittelmeer.

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Den Vorwurf, sie würden gezielt mit Schleppern zusammenarbeiten, weisen die Helfer weit von sich.

„Das ist ausgemachter Schwachsinn, nur weil dieser Vorwurf ständig gebetsmühlenartig widerholt wird, wird er nicht richtiger“, sagt Ruben Neugebauer, Sprecher der Organisation Sea-Watch. Auch Sea-Eye Sprecher Hans-Peter Buschheuer widerspricht vehement: Es gebe keinerlei Zusammenarbeit.

Dennoch gehen die NGOs davon aus, dass die Schlepper darauf spekulieren, dass sie vor Ort sind, um Flüchtlinge aufzunehmen. Damit sind sie Teil des Systems - wenn auch unfreiwillig.

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Die Menschen fliehen vor Krieg und Armut. Das sind die wichtigsten Fluchtursachen („Push-Effekt“). Wegen ihnen nehmen Menschen den gefährlichen Weg über das Meer in Kauf. Einig sind sich EU und private Helfer darin, dass die Ursachen bekämpft werden müssen - ein Schlüssel zu weniger Toten vor Europas Toren.

Ob private Organisationen wie ein Magnet („Pull-Effekt“) wirken und deshalb mehr Flüchtlinge die Route über das Mittelmeer wählen, ist umstritten. Studien sagen das Gegenteil.

Besonders prekär ist, dass Boote nur für wenige Meilen betankt werden. Das spart Kosten und bringt die Menschen gleichzeitig in Lebensgefahr - könnte aber auch darauf hindeuten, dass Schlepper tatsächlich mit der Hilfe der NGOs rechnen.


 

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Nach Angaben der Europäischen Kommission unterstützt die EU Libyen mit 46 Millionen Euro, damit das Land seine Infrastruktur stärken kann. Sie tue das, damit weniger Menschen im Mittelmeer sterben, betont eine Sprecherin der EU-Kommission. Sie trainiert die Küstenwache, dass sie Flüchtlinge bereits in ihren Hoheitsgewässern aufnehmen und zurück an Land bringen kann.

Die EU betont, aber nicht die Küstenwache direkt finanziell zu unterstützen. NGOs werfen der EU vor, Lösungen zu schaffen und fordern die Einstellung der Hilfen an das Bürgerkriegsland, die aus Sicht der Helfer nur dazu dienten, dass weniger Flüchtlinge nach Europa kommen.

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Die EU ist sich sicher: Die Lager, in denen die Menschen in Libyen gehalten werden, müssen geschlossen werden. Die Zustände dort  seien menschenunwürdig. Flüchtlinge berichten ebenfalls von schlimmen Erlebnissen, Gewalt und mangelnder Hygiene. Medien berichten zudem darüber, dass Flüchtlinge in Libyen wie Sklaven verkauft würden.

Dennoch unterstützt Europa das Land dabei, dass Menschen es nicht über das Mittelmeer schaffen, weil die Küstenwache sie aufhält und zurückbringt.

Immer wieder flehen Menschen an Bord des kleinen Holzbootes „Italy! Not Lybia!“, denn dort droht ihnen Haft – und wieder Gewalt.


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Immer wieder kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen NGOs und der Küstenwache. Libyen hat seine Search-and-Rescue-Zone auf 70 Meilen ausgeweitet und verlangt von den Helfern, diese Zone nicht zu befahren, dabei endet ihr Hoheitsgebiet spätestens 24 Meilen vor der Küste.

Am 6. November starben mindestens fünf Menschen, darunter ein Kind, als ein Boot der Küstenwache zu einem Einsatz von Sea-Watch kam. In der Vergangenheit kein Einzelfall.

Flüchtlinge berichten zudem, dass sich die Küstenwache bestechen lässt. Manchmal klauten sie sogar den Motor der Boote.

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Die Gründe für eine Flucht nach Europa können ganz unterschiedlich sein: Verfolgung, Krieg, Armut. Viele der Flüchtlinge, denen die „Seefuchs“-Crew geholfen hat, hatten Angst in den Augen.

Beim Wecken eines Libyers schreckt dieser hoch und hebt die Hände. Andere machen sich bei Gesprächen mit der Crew klein, ducken sich fast, meiden Augenkontakt. Viele verstecken sich unter Decken und sagen keinen Ton, sind in sich gekehrt. Kinder weinen, Eltern halten ihre Kleinen fest im Arm. Dankbarkeit ist genauso zu spüren wie Unsicherheit, was als nächstes passiert.

Hinter den Männern und Frauen liegt bereits eine lange Reise - monate-, manchmal jahrelang. Gewalt ist an der Tagesordnung.

Und ob oder wann sie ein normales Leben in Sicherheit führen können, ist unklar. Manche werden zurück in ihre Heimat müssen.

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